Episode 05


Artikelflut und eine Charta

Beim Lesen der zahlreichen Artikel, die dieser Tage in so renommierten Titeln wie der „Zeit“, dem „Spiegel“ oder auf tagesschau.de zum Thema Big Data veröffentlicht wurden, kommt man nicht umhin festzustellen: das Thema ist in den Massenmedien angekommen. Und das ist gut so! Der Wortlaut so mancher Geschichte ist manchmal sogar identisch mit Passagen aus unserer Kampagne Free Your Data. So fragt zum Beispiel kein Geringerer als der Präsident des Europäischen Parlaments Martin Schulz, wie wir in Zukunft leben wollen und welche Güter uns besonders wertvoll und schützenswert sind?

Digitale Charta

Einige der aktuellen Beiträge sind so gut und wichtig, dass sie eine eigene Episode verdienen. Allen voran der Gastbeitrag von Martin Schulz mit der Überschrift: „Freiheit, Gleichheit, Datenschutz. Warum wir eine Charta der digitalen Grundrechte brauchen.“

In diesem Beitrag spricht uns der Präsident des Europäischen Parlaments an vielen Stellen aus dem Herzen. Etwa, wenn er schreibt: „Völlig ungesteuert könnte die neue Technologie dazu führen, dass mehr und mehr Menschen abhängig werden, weniger Pluralität und stattdessen mehr Unfreiheit herrscht.“ Für Schulz ist der Schutz unserer Grundrechte in Form einer Charta der einzige Weg, um „digitalen Totalitarismus“ zu verhindern.
Recht haben Sie, Herr Schulz, Free Your Data und lassen Sie uns gemeinsam an einer Charta für unsere digitale Zukunft arbeiten!


Studentenfutter

Auf der Homepage der ehrenwerten „Tagesschau“ berichten wiederum die beiden Journalisten Christian Baars vom NDR und Hannes Grassegger vom SFR mit der Überschrift „Massig Daten von Studenten“ über Online-Kurse von Universitäten. Diese sogenannten Massive Open Online Courses (MOOC’s) nutzen weltweit rund 20 Millionen Studenten, um damit in den Genuss von Vorlesungen renommierter Professoren der besten Unis der Welt mit Videos, Quiz und Chatfunktion zu kommen. Die Inhalte dieser kostenlosen MOOC’s werden von den Dozenten produziert, vertrieben werden sie unter anderem über Coursera. Der Weltmarktführer aus den USA hat mehr als 16 Millionen registrierte Nutzer und räumt sich explizit den Verkauf von Daten an Unternehmen zu Recruitingzwecken als eine Verdienstmöglichkeit ein. Wer also selbst beim 20. Nachfragen in einem Mathe-MOOC-Chat noch nicht begriffen hat, wie ein Dreisatz funktioniert, sollte sich über baldige Jobabsagen nicht wundern.


Datenhahn zudrehen

Weiter geht es mit dem Editorial „Reich durch meine Daten“, das der stellvertretende Chefredakteur Georg Schnurer für die aktuelle Ausgabe der Computerzeitschrift „c’t“ geschrieben hat. Wie wir von Free Your Data kommt auch er zu dem Schluss: „Nun ist es amtlich: Daten sind ein wertvoller Rohstoff – und zwar mein Rohstoff und jetzt kann ich endlich ordentlich Kasse machen.“ Deshalb hat er schon verschiedene Verkaufsstrategien für seine persönlichen Daten entwickelt. Noch rechnet er nicht ernsthaft mit einem Geldregen, aber mit der kostenlosen Nutzung der Dienste der Datensammler alleine wird er sich wohl nicht mehr lange begnügen. „Träumt weiter!“, ruft er ihnen zu: „Dann dreh ich Euch halt den Datenhahn zu.“


Smarte Spione

Auf der Homepage des „Spiegel“ berichtet außerdem Thorsten Schröder in einem Gastbeitrag über „die angreifbare Wohnung“. Gemeint ist das viel zierte Smart-Home, wo in absehbarer Zukunft nahezu alle Geräte von der Heizung über den Toaster bis hin zur Zahnbürste mit steuerbaren Sensoren versehen sein werden. Jedes dieses Gadgets ist für den Autor ein kleiner Computer, meist billig und deshalb mit fehlerhafter Software produziert, wofür es oftmals kein Sicherheits-Update gebe. „Ein smartes Gadget kann ein Sprungbrett sein, etwa in ein privates WLAN“, warnt Schröder. So sei es zum Teil kinderleicht, das Firmenlaptop auf dem smarten Sofa im Wohnzimmer auszuspähen.


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