Episode 10


Erste Schritte in die Datenhoheit

Jens Glutsch ist „Data Detox Berater“ und alles andere als ein Technik-Pessimist. Im Gegenteil: Digitale Kommunikation findet der Karlsruher extrem wichtig und gut, sofern sie richtig eingesetzt wird. Deshalb will er Menschen dafür sensibilisieren, achtsamer mit ihren Daten umzugehen und ihre Privatsphäre effektiver zu schützen:

„Die Sorge über den Verlust meiner Datenkontrolle ist nichts im Vergleich zur der Frustration und Wut, die mich alleine bei dem Gedanken daran erfassen. Mit diesen fünf grundlegenden Schritten kann sich jeder ganz leicht auf den Weg machen und sich seine Datenhoheit zurückholen.“


Ich habe meine Webcam abgeklebt!

Klingt ein bisschen nach Alupyramide auf dem Kopf. Ist aber eine absolut einfache und vollkommen sichere Methode, unerwünschte Voyeure in meinem Laptop aus meinem Leben auszusperren. Außerdem erinnert mich der kleine Aufkleber stets daran, nie wieder zuzulassen, dass ich meine Privatsphäre leichtsinnig riskiere.


Threema statt WhatsApp

Mit Begeisterung nutze ich digitale Kommunikationsmittel und plädiere in meiner Arbeit bestimmt nicht für die Rückkehr zu Steintafel und Brieftaube. Doch Instant Messenger wie WhatsApp – sorry, schlechter Stil, nicht das Negative wiederholen, sondernd das Positive verstärken.
Also nochmal: Instant Messenger wie Threema tragen unheimlich zu einer effektiven und schnellen Kommunikation bei. In unserer vom Marketing getriebenen Welt setzt sich nur leider oft das schlechtere System durch. So wie einst – die Älteren unter uns werden sich erinnern – bei VHS, womit nicht die Volkshochschule gemeint ist, sondern das elende Videosystem gegenüber Betamax.
WhatsApp bietet eine grotesk schlechte Sicherheit und doch verzeichnete es einen irrsinnig großen Kundenzulauf. Daher meine eindringliche Bitte an euch:
Steigt um von WhatsApp auf Threema und verbreitet euren Wechsel in eurer Peer-Group.
Threema bietet die gleiche Funktionalität wie WhatsApp, nur eben sicher.
Krypto ist cool und Menschen, die Krypto einsetzen, haben ein besseres Liebesleben und einen viel besseren Draht zu Gott. Den WhatsAppern bleibt dafür ein super guter Draht zur NSA.


Google muss nicht alles wissen

Google verdient sein Geld unter anderem mit dem Sammeln von Informationen über seine Nutzer. Schön und gut. Dummerweise erstellt Google dabei ein Profil von jedem User: Also was du suchst, wo du bist, wo du warst und gegebenenfalls auch, wo du hingehen willst. Diese Erkenntnis hat mich einigermaßen zornig gemacht, denn es geht Google absolut nichts an, was ich suche und wo ich war.
Um dieser Datenkrake nicht noch mehr Futter über mich zu liefern, verwende ich nun andere Suchmaschinen. Zum Beispiel startpage.com und DuckDuckGo, die mich nicht verfolgen und denen es vollkommen egal ist, wo ich war und wo ich hin will. Obendrein liefern beide sogar noch bessere Suchergebnisse als Google, wo deine Suchergebnisse als besonderer “Service” schon vorgefiltert werden. Schließlich weiß Google anhand deines Profils besser als du selbst, was du wirklich suchst und so ein bisschen Bevormundung ist doch ganz kommod…


Datensparsam lebt sich’s gut

Meine Erfahrung mit Google hat mir gezeigt, dass es “da draußen” sehr viele Unternehmen gibt, die gerne an meine Daten rankommen möchten. Aber das will ich gar nicht, denn sobald meine Daten erst einmal “da draußen” sind, ist es unmöglich, sie wieder zurückzuholen. Daher frage ich mich inzwischen bei jedem Angebot, das ich im Internet nutze, sorgfältig, welche Daten ich dafür tatsächlich angeben muss. Natürlich will jeder Dienstanbieter möglichst viele Daten über mich sammeln, denn Daten sind im Internet die stärkste Währung.
Doch selbst wenn ein Eingabefeld als Pflichtfeld markiert ist, werden diese Daten in den wenigsten Fällen für die Erbringung der Dienstleistung benötigt. Ein Streaming-Dienst braucht deine Postanschrift einfach nicht, denn er liefert den Audio-Stream nicht per Post, sondern elektronisch. Wenn trotzdem ein Eintrag erwartet wird, na dann empfehle ich etwas Kreativität oder „Rächtschweibschreche“. Die wenigstens Formulare haben hier eine inhaltliche Prüfung (Privatsphäre sei Dank…).


Daten-Diät hilft beim Klarsehen

Ich fühlte mich vollkommen datenüberflutet. Von überallher ließ ich Daten auf mich einströmen: Nachrichten hier, Wetterberichte dort, eine Bewertung da nebst Kommentar. Ich verlor den Blick für das Wesentliche – nämlich mein Leben und deshalb habe ich beschlossen, eine Daten-Diät zu machen.
Im Selbstversuch habe ich sieben Tage lang konsequent keine Nachrichten oder Kommentare gelesen und keine Bewertungen mehr abgegeben. Ich merkte plötzlich, dass ich viel bewusster im Hier und Jetzt lebte.
Inzwischen suche ich gezielt nach Informationen, wenn ich zum Beispiel eine Reise plane oder eine Veranstaltung am kommenden Wochenende suche. So ist aus meiner Daten-Diät eine nachhaltige und gesunde Daten-Ernährung geworden, die ich seit meinem Selbstversuch beibehalten habe.


Jens Glutsch
Data Detox Berater

Der Diplom-Informatiker wird nun regelmäßig weitere Data-Detox-Tipps hier veröffentlichen. Der 42-Jährige hat in den vergangenen 15 Jahren als Software-Entwickler und IT-Consultant gearbeitet. In diesem Jahr hat er sich als Berater für Data Detox, Privacy und Data Security selbständig gemacht.

Jens hat sich mit dieser Idee bei uns gemeldet. Wenn auch ihr für Free Your Data aktiv werden wollt, meldet euch bei info@freeyourdata.org


Kommentare

  1. Jens,

    neben den von dir genannten Suchmaschinen gibt es noch die von mir bevorzugte „https://ixquick.de/“. Diese macht auf mich einen sehr seriösen Eindruck und begrenzt die Resultate der Suchergebnisse nicht auf die Vorkommnisse in meinem nahen geographischen Umfeld.
    Wie sind deine Erfahrungen ?

    – Juergen

  2. Meine googlefreie Suchmaschine auf Firefox ist MetaGer.
    Bitte lassen Sie wissen, was hinter dem AküFi Data-Detox steckt.
    Sie wissen nicht was AküFi ist?
    Abkürzungs-Fimmel
    „Host mi?“ sogt dr Bair

  3. Empfehlenswerte Tipps! Allerdings frage ich mich: Warum die Festlegung auf Threema? TextSecure etwa wird von niemand geringerem als Edward Snowden empfohlen.

  4. Es ist schon witzig mit anzusehen wie die Leute „Ferngesteuert“ mit ihrem Schmarnfon vor der Nase durch die Gegend laufen
    ob nun WattsÄppen oder FressenBüchlein oder Zwitschern, und vielleicht auch noch mit dem angebissenem faulen Apfel mit direktverbindung zur NSA, egal …
    die wirklich guten Foren gehen darüber kaputt, da wo man noch gute Informationen erhält.
    Aber scheinbar ist Abrotzen heute beliebter als intelligenter Informationsaustausch.
    Genug gemoppelt!

    ixquick.de und startpage.com sind dasselbe, nur individueller einzustellen als googsdu, DuckDuckGo ist wieder ne eigene.
    Aber alle setzen auf googsdu auf, senden aber keinerlei Infos an die Krake!

    Diese Seite hier ist für die tolle Einrichtung für so manche die aufgeweckt werden sollten, die da meinen sie hätten noch immer nix zu verbergen, für diejenigen die sich ihre ganz privaten Daten auf die Stirn haben meisseln lassen, die auch sonst immer nackt durchs Leben gehen …

  5. nun ja…von wegen WhatsApp:

    https://en.wikipedia.org/wiki/TextSecure

    „On November 18, 2014, Open Whisper Systems announced a partnership with WhatsApp to provide end-to-end encryption by incorporating the protocol used in TextSecure into each WhatsApp client platform.[52] Open Whisper Systems asserted that they have already incorporated the protocol into the latest WhatsApp client for Android and that support for other clients, group/media messages, and key verification would be coming soon.[53] WhatsApp confirmed the partnership to reporters, but there was no announcement or documentation about the encryption feature on the official website, and further requests for comment were declined.[54]“

    Ist WhatsApp also vielleicht doch nicht so schlecht?
    natürlich nicht selbst open source, aber das gilt bestimmt auch für einige andere der vorgeschlagenen „sicheren“ Apps…

  6. Den Satz: „Dein Kommentar wartet auf Freischaltung.“ habe ich aber nicht geschrieben. Der scheint sich von selbst zu schreiben. Und es ist nicht korrekt, dass er als meine Worte dargestellt wird. Könntet ihr das abstellen?
    Vielen Dank für die wichtige, gute Initiative!

    • Hallo Susanne,

      WordPress weist dich in dem Moment nur daraufhin, dass dein Kommentar erst nach manueller Freischaltung durch uns in den Kommentaren sichtbar ist. Der Satz: „Dein Kommentar wartet auf Freischaltung.“, ist also ein Hinweis des Blog-Systems, der nur für dich sichtbar ist.

      Viele Grüße und danke für deine Unterstützung
      Charlotte

      FYD-Team

    • Vielleicht kann man das ein wenig deutlicher von einander trennen. Der Paragraph hat folgende Klasse – class=“comment-awaiting-moderation“.
      Beispiel styling:
      .comment-awaiting-moderation {
      margin-bottom: 1em;
      padding: 5px;
      border: 1px solid #dfdfdf;
      color: #666;
      }

      Grüße,
      Al

  7. @Harald,
    Wikipedia ist selten eine gute Quelle für verlässliche Informationen. Daneben würde ich mir die Frage stellen, weshalb Facebook 19.000.000.000.000 $ für WhatsApp ausgeben sollte, wenn es dann nicht so viele Daten wie möglich ergattern will…?
    Meines Erachtens nach gibt es (derzeit) zu Threema keine Alternative.

  8. Hallo Juergen,
    wie Wastl bereits erklärt hat (@Wastl: vielen Dank!) sind startpage und ixquick dasselbe, nur in anderem Gewand :)
    Meine Erfahrungen damit sind sehr gut. Die Ergebnisse sind – weil es eben auf den Daten von Google basiert (nur ohne das Tracking) – sehr ordentlich.
    Viel Spaß weiterhin,
    Jens

  9. Hallo Elena,
    nun, Ecosia ist tatsächlich eher ein Yahoo in grünem Gewand :)
    Also die Daten basieren auf Yahoo.
    Da Ecosia in Deutschland beheimatet ist, unterliegt es dem deutschen Datenschutzgesetz (schon mal besser als in den USA oder Irland…). Was das Tracking angeht, werden deine Suchanfragen jedoch an Yahoo weitergeleitet.
    Daher ist Ecosia von der Umweltschutz-Idee her ganz gut, aber was deine Privatsphäre angeht bist du damit nicht geschützter. Daher dann doch eher mit startpage, ixquick, Metager oder DuckDuckGo suchen :)
    Herzliche Grüße,
    Jens

  10. Hallo Tom,
    Threema habe ich als Tipp herausgegriffen, weil ich die Verbreitung und die Akzeptanz noch am größten fand.
    Außerdem gefiel mir die Idee, eine Lösung aus der Schweiz zu nehmen :)
    Messenger wie TextSecure oder SIMSme finde ich auch echt prima Alternativen!
    Danke, dass du den Tipp hier angebracht hast, ich finde es wichtig hier auch eine große Bandbreite an Alternativen bekannt zu machen!

    Herzliche Grüße,
    Jens

  11. Hallo Q,
    vielen Dank für die Erklärung!
    @Harald: Was zu WhatsApp noch zu sagen ist (neben der Tatsache, dass sie einfach Adressen verkauft haben, was schon an sich vollkommen verwerflich ist), ist die Tatsache, dass die Verschlüsselung von WhatsApp nicht Plattform-übergreifend funktioniert (d.h. von Android zu iOS, z.B.). Und da man meistens gar nicht weiß, welches System mein WhatsApp-Nachrichten-Empfänger hat, ist das ganze System für die Katz.
    Dazu kommt noch, dass das gesamte WhatsApp-System so leicht angreifbar ist, dass ich mir um die Verschlüsselung gar keine Gedanken machen muss…

  12. Hallo Susanne,
    es lohnt immer möglichst alle Datenspuren zu löschen, daher ist es sicher eine gute Idee, ab und zu auch die Gesamtchronik zu löschen.
    Da sich deine Browserchronik (normalerweise) nur lokal auf deinem Rechner befindet, sollte das zwar auch nur einen lokal begrenzten Einfluss haben, aber es hilft halt auch schon dann, wenn du deinen Rechner mit jemanden teilst. Denn deine Privatsphäre beschränkt sich ja nicht nur auf dein Auftreten im Internet, sondern auch maßgeblich auf dein echtes Leben :)

  13. @Tom: Noch zu Threema. Threema ist tatsächlich noch anonymer zu betreiben als TextSecure. Bei TextSecure muss ich eine Telefonnummer angeben, um mich zu registrieren. Das muss ich bei Threema nicht tun.

    • Hallo Ronja,
      ich halte openstreetmap.org für eine sehr gute Alternative zu Google Maps. Die Karten sind immer sehr aktuell und es teilweise auch mehrere Alternativen für Anbieter von Routenvorschlägen.

  14. @Jens: Anonymität ist nicht das A und O bei Sicherheit im Internet. Jeder renommierte Sicherheitsexperte wird dir bestätigen dass Closed-Source als unsicher zu betrachten ist. Eine Wahrscheinlichkeit von „das sind Schweizer, die spähen uns WAHRSCHEINLICH nicht aus“ ist genau gleichbedeutend mit: „Die könnten alle Daten verkaufen und niemand wüsste es“.

    Threema = als unsicher zu betrachten, da closed-source
    TextSecure = Der EINZIGE existente (nicht XMPP-basierte) „sichere“ Messenger für Smartphones. Open-source und Code-Audit: https://eprint.iacr.org/2014/904.pdf

    • Hallo Sonja,
      ich habe Telegram bisher noch nicht genutzt, aber von dem was ich darüber gehört habe, hat es mittlerweile eine recht gute und sichere Verschlüsselung. Es ist auf jeden Fall eine Alternative zu WhatsApp.

  15. Hi, ich kenne auch ein paar Leute die Telegram nutzen (keinen der Threema od. Textsecure nutzt). Was sagen denn die Fachleute zu Telegram? Grüssle

  16. Tausend Dank! Manches davon mache ich schon länger, aber ich wusste anderes Wichtige noch nicht, danke für jede Info!
    Ich bin total glücklich, wenn jemand so nett ist, an die Sicherheit seiner Mitmenschen zu denken und sich für die demokratischen Grundwerte einsetzt, so wie Du! Mutig, sympathisch, wunderbar! Ein echter Endorphinschub für mich! :-)) Dir und Deinesgleichen alles Gute!

  17. Danke für den Tip, die web cam abzukleben.
    Gibt es auch eine Idee, wie man das eingebaute Mikro unschädlich machen kann?
    Rückenwind.

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